Jorinde Dröse

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COMEBACK


“Come back, come back to where you once belong.”

 6 Jahre habe ich etwas anderes gemacht. 6 Jahre war ich kaum im Theater. 6 Jahre habe ich nicht inszeniert. Ich hab auf die oft gestellte Frage „Warum macht Du kein Theater mehr?“ immer geantwortet: „Das ist vorbei. Das ist wie mit einer Beziehung, die zu Ende ist.“ 
In Zeiten des Lockdowns habe ich mich über die Diskussiongewundert, dass Theater doch systemrelevant seien und dachte, ja, das stimmt für diejenigen, die finanziell abhängig und selbstständig sind und für die, die nie aus der Bubble raus waren. Für mich hatte es keine Relevanz mehr. Nach dem 2. Lockdown tauchten Erinnerungen auf: An Probensituationen, wieviel ich gelacht habe. Wie es sich angefühlt hat, wenn diese gemeinsame Energie den Raum flutet. Wie viel Liebe füreinander da war, wenn es keine Demütigung, keinen Machtmissbrauch gab, sondern Achtsamkeit, Wertschätzung, Dialog auf Augenhöhe und jede*n so sein lassen, wenn ein angstfreier, kreativer Raum entsteht. Es ist einfach ein irrer gemeinsamer Schaffensprozess in einer Gemeinschaft auf Zeit. Und dann entstand die denkbare Möglichkeit, dass ich mit ausgewählten Menschen das nochmal versuche. Ich bin dann mit mir wichtigen Menschen spazieren gegangen und habe gefragt, was sich verändert hat? Ein befeundeter Schauspieler sagte: „Du musst Deine Ressourcen nutzen.“ Welche Ressourcen, hab ich gedacht? Ich fange wieder an, da gibt es keine Ressourcen.

Auf dem Festival BURNING ISSUE sagte Nicola Bramkamp etwas, wie: Wenn Ihr aussteigt aus dem Theater und Coachs werdet und/oder Lust auf eine Weiterbildung und/oder einen anderen Job habt, dann macht das. Aber kommt wieder. Die Theaterlandschaft braucht Euch. Und wenn Ihr Schauspieler*in, Regisseur*in wart, dann redet nicht davon in der Vergangenheit. Ihr seid das noch und werdet es bleiben. 
Dieser Zuspruch nicht direkt zu mir, sondern in den Raum hinein, hat mir Mut gegeben. Ich dachte, stimmt, ich bin staatlich anerkannte Erzieherin und Regisseurin. Und ich bin kein Einzelschicksal. Hier sind einige mit mir im Raum, die sich selbst aus dem Theaterbetrieb genommen haben und wenn sie wollen, gibt es einen Weg zurück.

Reflektierend aus den Erfahrungen, die ich gesammelt habe, weiß ich, was mir keine Freude gemacht hat, also habe ich mir ein paar Vorsätze gefasst: 
Ich will lieber in kleinen Räumen arbeiten. 
Ich werde nicht mehr mit Arschlöchern arbeiten. Was meine ich damit? Ich benötige für den angstfreien Raum der Probe Menschen, mit denen ich in Verbindung treten kann, deren kreatives Schaffen auf Augenhöhe und im Dialog entsteht. Menschen, deren kreative Energie nicht aus dem toxischen, sexistischen Widerstand entsteht, sondern Menschen, die sich öffnen, suchen und benennen können, was sie suchen.
Ich will wieder mit all den Menschen arbeiten, mit denen dieses wundervolle Arbeiten schon möglich war.
Ich will eine gleiche Verteilung der Honorare im Team.
Ich werde nur Stoffe, Themen inszenieren, für die ich brenne.
Ich werde nur mit Menschen an diesen Themen arbeiten, die sich für diese Themen  interessieren.

Ich bin wieder da und freue mich auf all die schönen Begegnungen!