Jorinde Dröse

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DAS AUGENLID IST EIN MUSKEL

Deutsches Theater Berlin 2022







Familie: Ort der tiefsten Verletzungen, Ort der ewigen Sehnsucht nach Nähe, Ort der verschlungensten Konflikte. Wenn dort nach Jahren des Schweigens etwas zur Sprache kommt, dann geht auch die Sprache verschlungene Wege, so wie in dem Text, den Alexander Stutz zu den Autor:innentheatertagen 2022 eingereicht hat. Zwar scheint der Körper seines Protagonisten Aaron ein hohes Bewusstsein dafür zu haben, was ihm in seiner Kindheit und Jugend widerfahren ist; trotzdem braucht die Sprache einen Umweg, um davon erzählen zu können. So beginnen die Augenlider zu sprechen, die Muttermale, der Magen, der Kloß im Hals und auch eine Matratze. Sie alle reden gegen das Schweigen an, das sich Aarons Familie verordnet hat – ein Schweigen, das Dinge aus der Welt schaffen möchte und damit die Wunden vergrößert, die sich nun mal nicht wegschweigen lassen. Alexander Stutz’ Text findet eine hohe sprachliche Form für ein Thema, bei dem einem die Sprache immer wieder wegbleibt.



VON Alexander Stutz

REGIE Jorinde Dröse BÜHNE Janja Valjarević KOSTÜME Juliane Kalkowski MUSIK Jörg Kleemann CHOREOGRAFIE Suzan Demircan DRAMATURGIE Bernd Isele LICHT Heiko Thomas FOTOS  Arno Declair

MIT Hilke Althefrohne, Paul Grill, Leo Leupold, Niklas Wetzel

PREMIERE  18. Juni 2022