HÄUSER UND STÄDTE
Es ist seltsam. Mit dem Älterwerden lagern sich Bilder und Erinnerungen in meinem Hirn ab, die zu einer Überlagerung der Realität führen. Ich radele am Nordbahnhof lag und
sehe, eine Brache, ein weiter Platz, an dem eisiger Wind pfeift. Eine Erinnerung, die die jetzige Wahrnehmung überlagert. Früher gab es doch so Fotos, die waren aus Versehen doppelt belichtet und dann wurden so Geisterabdrücke
auf dem Bild sichtbar. So fühlt es sich an, wenn ich durch Berlin radele, also punktuell. Ich sehe Baulücken, die längst geschlossen sind, das Café Niesen, das nicht mehr da ist, den Regenbogenspielplatz,
der inzwischen anders aussieht, Bäume, die gefällt wurden, wiegen sich noch im Wind. Diese Doppelbelichtung der Stadt hat für mich auch etwas sichtbar gemacht: Das alles Gestaltung und Planung von Menschen ist. Irgendwann hat sich jemand mal etwas, dabei gedacht, es geplant
und realisiert.
Aber das bedeutet auch, dass es auch nicht da sein, dass es anders aussehen könnte. Dass all diese Architektur, die Straßen, die Lampen, die Stromkästen, alles, könnte
auch anders angeordnet sein oder eben anders aussehen oder nicht da sein.
Manchmal stelle ich mir das vor: Ich sprenge Häuserreihen im Kopf und lege einen Park an, pflanze Bäume, verteile den Raum um für alte Menschen, Tiere, Menschen mit anderen Bedürfnissen,
Frauen, Kinder und Familien. In einem meiner Lieblingsvorlesebücher, gibt es ein Viertel, das ist ebenerdig und eins, dass sich auf den Dächern befindet. Die Dächer sind begrünt mit Dachgärten und es gibt
Brücken und Übergänge, um von einem Viertel zum anderen zu gelangen.
Und dann sehe ich mich um, sehe wieder die Realität und realisiere, dass die Umverteilung des Raumes zu langsam geht, dass ich immer noch aufpassen muss, dass ich nicht totgefahren zu
werden. Ich muss den Hund anleinen, die Katzen drin halten, vorausschauend für die Kinder agieren, um sie zur Not zu beschützen. Ich halte den Schlüssel umklammert, wenn ich nachts unterwegs bin und spähe
nach Fluchtwegen.