Jorinde Dröse

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WARUM SCHREIBEN?


Als Regisseurin gehört das Reisen, unterwegs zu sein, sich neu zu orientieren, in einer fremden Stadt, im Theater, in einem Land ankommen, sein und zurecht finden zum Berufsprofil und Prozesse wie Transferleistungen und Übersetzungen sind Tagesgeschäft. All das kostet Energie, ich hatte viel Energie und die hat für das Jetzt, die Proben, die Verbindung, den Austausch mit dem Produktionsteam und dem Theater gereicht, aber nebenher war nichts und /oder wenig möglich. Ich habe zugelassen, dass andere über mich schreiben, mich bewerten, mich beschreiben. Kritiken, Porträts, Interviews. Die habe ich manchmal gelesen, selten gegengelesen und korrigiert, fast nie habe ich mich gesehen und gemeint gefühlt. Fast nie? Eher nie.

Als Regisseurin habe ich nie geschrieben, erst in der Ausbildung zur Erzieherin musste ich wieder viel schreiben. Mit der Hand. Ich habe seitenlang Notizen gemacht, stundenlang Blätter in Klausuren gefüllt und am Ende eine Abschlussarbeit geschrieben.

Wofür es kein Wort und keine Schrift gibt, das kann unsichtbar bleiben, kann verleugnet, verleumdet, verschwiegen werden und ist nicht da. Daher schreibe ich.